Fische scheiden Ammonium aus, Futterreste und abgestorbene Pflanzenteile zersetzen sich zu demselben Stoff. Ammonium selbst ist in leicht saurem Wasser vergleichsweise harmlos, steht aber in einem Gleichgewicht mit dem deutlich giftigeren Ammoniak, und das Gleichgewicht verschiebt sich mit steigendem pH-Wert und steigender Temperatur zu dessen Ungunsten.
In einem eingefahrenen Becken übernehmen zwei Bakteriengruppen den Abbau: die erste wandelt Ammonium in Nitrit um, die zweite Nitrit in Nitrat. Nitrat ist in den üblichen Konzentrationen unproblematisch und wird über den Wasserwechsel und das Pflanzenwachstum entfernt.
Warum der Nitritwert ansteigt
Die beiden Bakteriengruppen siedeln sich nicht gleichzeitig an. Die ammoniumabbauende Gruppe ist schneller da. Sie produziert Nitrit, für dessen Abbau die zweite Gruppe aber noch nicht in ausreichender Menge vorhanden ist. Also sammelt sich Nitrit an, bis die zweite Gruppe nachgezogen hat.
Der Kurvenverlauf ist immer derselbe: Ammonium steigt, fällt ab; Nitrit steigt mit Verzögerung, erreicht ein Maximum, fällt ab; Nitrat steigt an und bleibt. Dieses Maximum ist der Nitritpeak.
Nitrit blockiert bei Fischen den Sauerstofftransport im Blut. Ein Becken im Nitritpeak zu besetzen bedeutet, die Tiere in ein Wasser zu setzen, in dem sie ersticken, während der Test noch klares Wasser zeigt.
Der Ablauf in der Praxis
Woche 1. Das Becken ist eingerichtet, Filter und Heizer laufen, es sind keine Tiere darin. Damit die Bakterien etwas zu tun bekommen, braucht der Kreislauf eine Ammoniumquelle. Verbreitet ist eine geringe Menge Futter alle paar Tage; in dicht bepflanzten Becken liefern absterbende Pflanzenteile bereits genug.
Woche 2 bis 3. Der Nitritwert steigt messbar an. Das Wasser kann sich kurzzeitig trüben, weil sich Bakterien im freien Wasser vermehren. Diese Trübung verschwindet von selbst und ist kein Grund für einen Wasserwechsel.
Woche 3 bis 4. Der Nitritwert fällt wieder. Sobald Ammonium und Nitrit über mehrere aufeinanderfolgende Tage nicht mehr nachweisbar sind und Nitrat messbar ist, ist die Kultur belastbar.
Wie du misst
Für die Einfahrphase reichen Tests auf Ammonium, Nitrit und Nitrat. Tröpfchen- tests sind hier den Teststreifen vorzuziehen: in genau dem niedrigen Konzentrationsbereich, auf den es ankommt, sind Streifen zu grob.
Gemessen wird in der Einfahrphase alle zwei bis drei Tage, immer zur gleichen Tageszeit und bevor gefüttert wird. Die Werte werden notiert; erst die Reihe zeigt den Verlauf, ein Einzelwert sagt wenig.
Was die Phase verkürzt
- Filtermaterial aus einem eingefahrenen, gesunden Becken. Die wirksamste Abkürzung, weil sie die Kultur direkt überträgt. Nur aus Becken ohne Krankheitsgeschehen.
- Bakterienpräparate. Können helfen, wenn sie gekühlt gelagert und ungeöffnet frisch sind. Wirksamkeit und Haltbarkeit unterscheiden sich zwischen Produkten deutlich; belastbare unabhängige Vergleiche fehlen.
- Dichte Bepflanzung von Anfang an. Pflanzen nehmen einen Teil des Ammoniums direkt auf.
Was die Phase nicht verkürzt: häufige Wasserwechsel. Sie verdünnen genau die Nährstoffe, die die Kultur zum Wachsen braucht, und ziehen den Vorgang in die Länge.
Nitrit im laufenden Becken
Steigt der Nitritwert in einem bereits besetzten Becken wieder an, ist die Kultur zusammengebrochen oder überlastet. Typische Auslöser sind eine gründliche Filterreinigung, ein längerer Stromausfall, eine Medikamentenbehandlung im Becken oder ein plötzlich stark vergrößerter Besatz.
Erste Maßnahmen sind großzügige Teilwasserwechsel, das Aussetzen der Fütterung für einige Tage und die Ursachensuche. Der Filter wird in dieser Situation nicht gereinigt.
Wie die laufende Kontrolle danach aussieht, steht unter Wasserwerte verstehen.
